Über die Tänze in den Latin Roots

Merengue, Zouk, Kizomba, Bachata und Bolero
Über Mu­sik­gen­res, Tanzstil und das Essentielle

Von: © Juan D. Lange

Merengue (Dom­ini­ka­ni­sche Re­pub­lik) Schritt 1 – 1

Zouk (Mar­ti­nique, Gua­de­lou­pe) Schritt 1 – 1

Kizomba (An­go­la) Schritt 1 – 1 und 2 – 1 + sehr variabel

Bachata (Dom­ini­ka­ni­sche Re­pub­lik) Schritt 3 – 3 (mit Tap)

Bolero Schritt 1 – 1, 1 Tip – 1 Tip, 3 – 3


Meren­gue (Dom­ini­ka­ni­sche Re­pub­lik) Schritt 1 – 1

Der Meren­gue kommt aus der Dom­ini­ka­ni­schen Re­pub­lik und Hai­ti. Er war in den 50/60er Jah­ren in Hai­ti sehr po­pu­lär, hat sich aber dort nicht wie in der Dom­ini­ka­ni­schen Re­pub­lik zum Na­ti­o­nal­tanz ent­wi­ckelt.

Es ist ein ver­spiel­ter Tanz und sei­ne Tex­te ha­ben im­mer eine iro­nisch-fröh­li­che Kom­po­nen­te. Da­bei geht es da­rum, Be­ge­ben­hei­ten des All­tags und der Ge­sell­schaft ironisch zu be­schrei­ben, z.B. die Rede ei­nes Po­li­ti­kers, der ver­sucht das Volk über den Tisch zu zie­hen oder ein Miss­ge­schick des All­tags, das zu absurden Situationen führt.

Der Meren­gue ent­spricht dem We­sen der Do­mi­ni­ka­ner. Flexibel geht der gan­ze Kör­per in der Bewegung mit. Der Grund­schritt ist sehr ein­fach und beschwingt. Hin­zu kom­men ein­fa­che Dre­hun­gen die ge­schmei­dig flie­ßend ohne An­stren­gung ge­tanzt wer­den. Ein lus­ti­ger ero­ti­scher Tanz, den man sehr schnell ler­nen kann. Meren­gue macht Spaß und ist ein gu­ter Start, um die ka­ri­bi­schen Tän­ze zu lernen.

Sein We­sen: Vers­pielt, fröh­lich und sinn­lich ele­gant. Die Be­we­gun­gen sind rhythmisch flie­ßend und trei­ben nach vor­ne.

Ty­pi­sche Feh­ler: Schun­keln wie im Bier­zelt

Beispiele:
Merengue tanzen – Video
Merengue tanzen –  Video mehr aus dem Leben

Zouk (Mar­ti­nique, Gua­de­lou­pe) Schritt 1 – 1

Der Ursprung des Zouk wird der Band Kassav (Mar­ti­nique und Gua­de­lou­pe) zu­ge­spro­chen, die un­ter dem Ein­fluss von Kom­pa, Reg­gae und Sal­sa in den 70-er Jah­ren ei­nen neu­en Mu­sik­stil kre­ier­te. Von da aus hat er sich nach Af­ri­ka und Bra­si­li­en ver­brei­tet. Der ka­ri­bi­sche Zouk wird in Gua­de­lou­pe, Mar­ti­nique, Hai­ti, Do­mi­ni­ca und Sta Lu­cia ge­tanzt.

Die Cho­re­o­gra­fie ist ein­fach, mit ei­nem Ge­wichts­wech­sel von ei­nem Bein auf das an­de­re wird die Hüfte leicht gedreht und so werden iso­lier­te sinn­li­che Kör­per­wel­len in har­mo­ni­scher Schwin­gung mit dem Part­ner ge­tanzt. Die iso­lier­ten Be­we­gun­gen sind an­fangs et­was be­fremd­lich für un­se­ren Kul­tur­kreis, doch nach kur­zer Zeit stellt sich dann eine wun­der­schö­ne sinn­li­che Schwin­gung ein, die pas­send zu der Mu­sik und der Stim­mung im Paar va­ri­iert wird. Der Zouk wird in drei Aro­mak­las­sen ge­tanzt: a) Ca­nel­le – mit zar­tem Duft  b) Gen­gib­re (Ing­wer) – wür­zig und et­was scharf  c) Pi­ment (Pfef­fer) – pfeffrig und scharf – sprich: haut­eng.

Sein We­sen: Ein sym­bo­li­scher Tanz der Paa­rung. Ein Stim­mungs­wech­sel von Hin­ga­be und Er­o­be­rung in bei­den Rol­len bestimmt den Tanz.

Ty­pi­sche Feh­ler: Die Nähe beim Tanz zu ver­mei­den, oder sie zu ernst zu neh­men.

Beispiel: Zouk antillais Tanzende – Video

Ki­zom­ba (An­go­la) Schritt 1 – 1 und 2 – 1 + sehr variabel

Ki­zom­ba heißt ur­sprüng­lich in An­go­la: sinn­li­che Fete mit Tanz und Mu­sik. Heu­te be­zeich­net man da­mit die sehr po­pu­lä­re Mu­sik und auch den Tanz, der in West­afri­ka ver­brei­tet ist. In An­go­la di­rekt aus der Sem­ba ge­bo­ren und von Zouk, ku­ba­ni­scher Mu­sik und Elekt­ro be­ein­flusst, wird Ki­zom­ba auf Por­tu­gie­sisch ge­sun­gen.

Die­ser sinn­lich ro­man­ti­sche Tanz, an­ge­rei­chert mit af­ri­ka­ni­schen Rhyth­men, ist ein Ge­nuss beim Zu­schau­en und noch mehr beim Tan­zen. Ero­ti­sche Hüft­be­we­gun­gen und fle­xib­le Bei­ne, ge­paart mit Ein­füh­lungs­ver­mö­gen für den Part­ner, wer­den vom ers­ten Schritt an in diesem Tanz gefordert. Die Tänzer tauchen in die Mu­sik ein­ und ge­nie­ßen selbst­ver­ges­sen diesen Tanz.

Wer ein we­nig Mi­lon­ga oder Sal­sa kann, hat schon gute Vor­kennt­nis­se, da die­ser Tanz leicht zu er­ler­nen ist und von bei­dem et­was beinhaltet.

Sein We­sen: Ein Tanz­fest für das Stadt­vier­tel in dem Jung und Alt mit­ei­nan­der Tan­zen. Tar­racha ist der sinn­li­che Teil, pas­sa­das die ge­tanz­ten Fi­gu­ren, die für Zu­schau­er an­spre­chend sein soll­ten:“Schaut mal was ich kann!“.

Ty­pi­sche Feh­ler: Die Schrit­te zu groß zu ma­chen und sie wie Tan­go zu in­ter­pre­tie­ren. Zu früh in die Be­we­gung zu ge­hen.

Beispiel: Kizomba tanzen im social – Video

Bach­ata (Dom­ini­ka­ni­sche Re­pub­lik) Schritt 3 – 3 (mit Tap)

Die Bach­ata ist eine sehr po­pu­lä­re, tanz­ba­re und sinn­li­che Mu­sik aus der Dom­ini­ka­ni­schen Re­pub­lik. Sie ist zwi­schen 1950 und ’60 als eine Mi­schung aus dem Bo­le­ro rít­mi­co, dem Pa­sil­lo und dem Son Cu­ba­no entstan­den und wur­de an­fangs haupt­säch­lich ge­hört. Sie ist in den un­te­ren Schich­ten entstan­den und wur­de als “Mu­sik der Ver­bit­te­rung” be­zeich­net. In der ers­ten Zeit war je­des mit­telstän­di­sche Ge­schäft schlecht an­ge­se­hen, das Bach­ata Mu­sik ver­kauf­te. Im Ra­dio war sie nicht zu hö­ren, au­ßer bei Ra­dio Gua­ra­chi­ta, das lan­ge Jah­re der ein­zi­ge Sen­der war, der die­se Mu­sik spiel­te. Durch den Tou­ris­mus in der Dom­ini­ka­ni­schen Re­pub­lik ist sie dann aber ab 1980 welt­weit quer durch alle Schich­ten po­pu­lär ge­wor­den. Der größ­te Durch­bruch kam al­ler­dings mit Juan Luis Guer­ra und sei­nem Al­bum Bach­ata Rosa, das alle Ver­kaufs­re­kor­de in La­tein­ame­ri­ka und Spa­ni­en brach.

Der Tanz ist sinn­lich, mit ei­ner ak­tiv be­ton­ten Hüft­be­we­gung und wech­selt zwi­schen of­fe­ner und haut­en­ger Kör­per­hal­tung, mit wech­seln­der un­kon­ven­ti­o­nel­ler Arm­hal­tung. Im Vor­der­grund steht das Ge­fühl und nicht die vie­len Dre­hun­gen und Schrit­te. Sei­ne Stim­mung ist me­lan­cho­lisch, nostal­gisch, mit ei­ner sinn­li­chen Lei­den­schaft wie sie auch beim Tan­go und dem Bo­le­ro zu fin­den ist. Bei der ori­gi­nal do­mi­ni­ka­ni­schen Bach­ata tan­zen die Tän­zer haut­eng und öff­nen die Hal­tung ein we­nig, wenn sie an­fan­gen mit dem Rhyth­mus zu spie­len. Kom­mer­ziel­le Stil­ar­ten, die sich bes­ser ver­mark­ten las­sen, sind vor al­lem in den USA und Ita­li­en entstan­den. Sie alle er­in­nern mehr an Tanz­sport mit Leis­tungs­schau, als an die „Bach­ata ori­gi­nal“.

Sein We­sen: Me­lan­cho­lisch, sinn­lich, int­ro­ver­tiert mit ver­spiel­tem Rhyth­mus, der am Ende im­mer Freu­de er­gibt.

Ty­pi­sche Feh­ler: Zu vie­le Dre­hun­gen mit Über­be­to­nung der Hüf­te mit ext­ro­ver­tier­tem Sex­ap­peal.

Beispiele:
Bachata tanzen – Video
Bachata tanzen – Video mehr aus dem Leben

Bo­le­ro Schritt 1 – 1, 1 Tip – 1 Tip, 3 – 3

Der Bo­le­ro cu­ba­no fin­det sei­ne end­gül­ti­ge Form Ende des 19. Jahr­hun­derts. Sei­ne Wur­zeln lie­gen in der Con­trad­an­za des 18. Jahr­hun­derts. Hin­zu kom­men die Ein­flüs­se von Danzón und Ha­ba­ne­ra. Es ist ein Vier­vier­teltakt, von de­nen drei Tak­te in der Re­gel ge­tanzt wer­den und der vier­te als Pau­se mit ei­ner lang­sa­men Hüft­be­we­gung aus­ge­füllt wird. Die Kunst ei­nen gu­ten Bo­le­ro zu tan­zen bes­teht da­rin, auf die fei­nen mu­si­ka­li­schen Nu­an­cen ein­zu­ge­hen. So­mit wird durch die Mu­sik be­stimmt, ob man in ei­nem Takt eine, zwei oder drei Be­we­gun­gen tanzt. Die hohe Kunst Bo­le­ro zu tan­zen bes­teht da­rin, sich von dem Ge­fühl, dass durch die Mu­sik aus­ge­drückt wird, lei­ten zu las­sen.

Die meis­ten la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Mu­sik­for­scher bes­te­hen da­rauf, dass er in San­ti­a­go de Cuba entstan­den ist und sich dort durch die Tro­va­do­res ver­brei­tet hat. Die­se tru­gen ihre Lie­der mit ei­nem ro­man­ti­schen, amou­rö­sen Ak­zent durch das Land, bis der Bo­le­ro zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts schließ­lich nach Ha­van­na kam. Dort an­ge­kom­men, wur­de er vor al­len Din­gen im The­a­ter ein­ge­setzt. Bis da­hin wur­de der Bo­le­ro im­mer mit der Gi­tar­re be­glei­tet, doch ab Mit­te des 20. Jahr­hun­derts kam die In­stru­men­tie­rung hin­zu: Zu­erst mit dem Kla­vier und dann mit dem gro­ßen Or­ches­ter. Sei­ne me­lo­disch-rhyth­mi­sche Struk­tur ba­sier­te da­mals auf dem Cin­quil­lo cu­ba­no, ein Rhyth­mus, der von Af­ri­ka über Hai­ti bis nach Kuba kam und dort die Grund­la­ge für Son und Bo­le­ro wur­de.

Der ers­te mo­der­ne Bo­le­ro der dann nicht mehr auf dem Cin­quil­lo cu­ba­no be­ruh­te, ist dann „Aquel­los ojos ver­des“ von Nilo Menén­dez der in sei­ner ak­tu­el­len Form von dem un­ver­gleich­li­chen le­gen­dä­ren Ibra­him Fer­rer ge­sun­gen wur­de.

Der Bo­le­ro ver­wan­del­te sich mit der Zeit und es entstan­den Va­ri­an­ten wie der Bo­le­ro Son, Bo­le­ro Cha, Bo­le­ro Be­gui­ne, Bo­le­ro Moru­no und der Bo­le­ro La­ti­no, der sich in ganz La­tein­ame­ri­ka ver­brei­te­te. Der Bo­le­ro ist heu­te noch ak­tu­ell, was man an den enor­men Klick­ra­ten auf you­tu­be se­hen kann.

Sein We­sen: Tief me­lan­cho­lisch mit dem Blick nach hin­ten. Ver­flos­se­ne Zei­ten, Lie­ben, das Zu­hau­se und die Hei­mat sind sein The­ma. Da­her sind sei­ne Schrit­te sehr maß­voll, zö­ger­lich und fast zäh.

Ty­pi­sche Feh­ler: Zu aktiv und schrittfixiertes Tanzen.

Beispiele:
Bolero tanzen – Video mehr aus dem Leben

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